Laufgruppe Erlangen
Forum
Newsletter
2012
2010 - 2011
Die Nacht der Nächte
Südtirolmarathon
New York Marathon
Fotos
Hamburg Marathon
Ansprechpartner
Links
Archiv
Für Mitglieder


New York, New York

Mein Marathon um den “Big Apple”

 

Es ist 04:30 morgens nach New Yorker Ortszeit und mein Wecker versucht mich aus dem Bett zu klingeln, jedoch vergeblich: Ich bin bereits wach und fiebere dem heutigen Tag entgegen. Seit meiner Ankunft am Donnerstag vor dem Marathon bin ich von internationalem Flair umgeben, denn an allen Ecken hört man neben Englisch stets Brocken von Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich Deutsch. Die Laufwelt ist an diesem Wochenende wieder einmal zu Gast in New York und will die 26,2 Meilen lange Marathonstrecke bezwingen.

Um 05:00 Uhr morgens soll ich für meinen Shuttle-Transport an der New York Public Library an der Ecke 5th Avenue und 42igste Straße bereitstehen. Dort befindet sich nämlich das Ende einer anscheinend unendlichen Schlange von Autobussen, die einen großen Teil der 46000 Läuferinnen und Läufer zum Startbereich in „Fort Wadsworth“ auf Staten Island bringt, dem ersten der 5 Borroughs von New York City.

Um 05:30 Uhr endet diese frühmorgendliche Busfahrt. Aus den im Sekundentakt eintreffenden Fahrzeugen strömen dem Wetter angemessen eingepackte Marathonis, denn es ist richtig kalt an diesem wolkenlosen Morgen. Auch ich habe vier Schichten Kleidung an, um vor dem Start nicht zu sehr frieren zu müssen. Nach der Durchsuchung meines Gepäcks – Sicherheit geht hier nun mal vor – gehe ich in den für mich vorgesehenen grünen Startbereich, der für 1/3 der Starter vorgesehen ist, und in dem ich mich in den nächsten 4 Stunden aufhalten werde.

Ich bin erstaunt und zugleich erfreut, wie gut gelaunt und motiviert die Hilfskräfte hier vor Ort sind, die heiße Getränke, warme Mützen und Bagels zum Frühstück verteilen. Ich suche mir erst einmal einen Platz in einem der beiden geräumigen Aufenthaltszelte. Sehr bald füllt sich das Lager und um 08:00 Uhr morgens ist das Zelt mit Läufern aller möglichen Nationen gerammelt voll. Neben mir sitzt ein Marathonnovize aus Kolumbien, der aufgrund seiner für ihn gewohnten 25 Grad besonders unter den frostigen Temperaturen leidet, sich aber dennoch nicht die Stimmung vermiesen lässt, und so quatschen wir über die Unterschiede des Marathontrainings in Kolumbien und Deutschland.

Mittlerweile ist es 08:30 Uhr, und ich muss in meinen Startblock, bevor dieser für die Läufer meiner, der ersten Startwelle von dreien, um 08:55 geschlossen wird, und auch für Nachzügler nicht mehr geöffnet wird. In rund 45 Minuten geht es los, und ich sehne den Start entgegen. Kurz vor meinem Start wird die Herrenlaufelite auf einer Großleinwand gezeigt. Der Topfavorit Haile Gebrselassie  wird besonders laut bejubelt, und ich freue mich, wieder einmal mit dem Weltrekordhalter den gleichen Wettkampf bestreiten zu können, auch wenn ich wohl über 1.5 h später im Ziel sein werde.

Endlich ertönt der Startschuss, und die erste Startwelle schiebt sich auf die Verrazano-Narrows-Bridge, von der aus man die Manhattener Skyline überblicken kann. Zum Einlaufen war leider im Startblock kein Platz, so dass ich nur notdürftig aufgewärmt ins Rennen gehe. Allerdings vergesse ich diesen Umstand sofort, als ich begleitet von Sinatras „New York, New York“ auf die Rennstrecke geschickt werde.

Schnell sind wir nach 2 Meilen Brückenlauf in Brooklyn, dem zweiten der 5 New Yorker Stadtteile, wo wir auf beidseitig von Zuschauern gesäumten Straßen bei strahlendem Sonnenschein nach Norden laufen. Ich bin von der begeisterten Menge, darunter auch viele Familien, jetzt schon schwer beeindruckt und habe so richtig Spaß im Rennen. Unterstützt wird die ausgelassene Stimmung durch Bands aller möglichen Musikrichtungen, die etwa alle 2 Kilometer entlang der gesamten Strecke für Stimmung sorgen. Nach den ersten 12 Meilen biegen wir auf die zweite Brücke des Tages nach Queens ab.

Dort zeigt sich ein ähnliches Zuschauerpanorama wie zuvor in Brooklyn. Das interkulturelle Highlight meines Rennens sind heute die festlich gekleideten Mitglieder der jüdischen Fangemeinde, deren männliche Vertreter mit schwarzem Hut, Mantel und Schläfenlöckchen nicht zu übersehen sind. So überquere ich nach ca. 1:50 h die Halbmarathonmarke, und bin damit schneller als ich geplant hatte. Allerdings sagt mir mein Pulsmesser, dass ich mich anscheinend nicht überfordere, und so halte ich das Tempo. Wir laufen auf die knapp 2 Meilen lange Queensboro Bridge, die den Läufern erneut einige Höhenmeter aufzwingt, und die ersten dazu bringt, eine Gehpause einzulegen.

Am Ende der Brücke bin ich nach 16 gelaufenen Meilen endlich auf Manhattan Island angekommen, und nun geht es 3 Meilen entlang der 1st Avenue in Richtung Bronx. Hier ist die Zahl der Zuschauer einfach unglaublich, und ich habe den Eindruck, dass ganz New York City an die Strecke geströmt ist. Die Menschenmassen am Streckenrand reißen erst wieder ab, als wir die nächste Brücke über den Kanal zwischen Upper Eastside und Bronx überqueren.

Mittlerweile muss ich meinem hohen Anfangstempo ein wenig Tribut zollen und laufe jetzt nur noch meinen ursprünglich angestrebten Kilometerschnitt. Noch einmal geht es über eine Brücke zurück nach Manhattan Island und bei Meile 23 bin ich am Nordostrand des berühmten Central Parks angelangt.

Die Zuschauerreihen stehen hier an der nicht enden wollenden, ansteigenden 5th Avenue noch dichter als zuvor auf der 1st Avenue. Diese letzten Kilometer vor dem Ziel empfinde ich aufgrund der Kombination aus Zuschauern, Wetter und Streckenführung trotz der schweren Beine und schmerzenden Füße als traumhaft. Nach knapp unter 3:49 h bin ich als 10147er im Ziel, nehme meine Finisher Medaille und meinen Verpflegungsbeutel entgegen und werde von den Helfern beglückwünscht. Ich begebe mich auf den Marsch zur Gepäckrückgabe, der sich noch einmal ungewollt lang gestaltet. Zwischendurch frage ich eine Helferin, wer denn das Rennen der Herren heute gewonnen hat. Sie weiß zu berichten, dass ein Gentleman aus Äthiopien der Sieger ist. Dass es unerwartet nicht „Haile“ war, erfahre ich erst im Hotel.

 

Markus Konrad

 



Turnverein 1848 Erlangen  |  tv48.g-stelle@t-online.de / 09131-42911